Velo-Club Germania 1892 Schweinfurt

Dramatisches 180 km Radrennen "Rund um Schweinfurt"

Ein Rennen der Superlative

Das Straßenrennen "Rund um Schweinfurt" über 180 km galt als besonders schwer und dramatisch. Es war mit Fahrern der A- und B-Klasse hochkarätig besetzt. Das 50 Mann starke B-Klassen-Feld startete mit 10 Minuten Vorgabe und lag lange 70 km an der Spitze, bis es schließlich von den 9 A-Klassen-Vertretern eingeholt werden konnte. Am Ende siegte Plettner vor Beetz, Düring und Merz, gefolgt von dem späteren erfolgreichen Sieger der "Schweizer Rundfahrt", Lubber Geyer, und dem unverwüstlichen Lon Pfister.

Die Episode "Lewanow"

Der Verein verfügte damals mit dem Fahrer Karl Pfeuffer über ein echtes Unikum, dessen geflügeltes Wort stets war: "Ich bin der Stehermeister von Berlin". Bei diesem Rennen lag "Lewanow", wie er scherzhaft genannt wurde, überraschend in der Spitzengruppe – sonst war er nämlich selten unter den "Ersten" zu finden! Das Blatt wendete sich jedoch schlagartig, als er in Ettleben den wahnwitzigen Versuch unternahm, in voller Fahrt ein Eckhaus zu rammen. Das Haus hielt stand, nicht aber die Rennmaschine "Lewanows". So war er also auch diesmal gezwungen, dem Siegerlorbeer nachzutrauern.

Die Maß Bier von Maibach

Eine weitere nette Begebenheit wird in den Kreisen der "92er" beim Austausch alter Erinnerungen gerne zum Besten gegeben: Es war im selben Rennen, das die "Episode Lewanow" hervorbrachte. Da führt Benno Helbig mit drei Minuten Vorsprung, bis ihm die Durchfahrt in Maibach zum Verhängnis wurde.

Der gute (und ganz nebenbei bemerkt meist sehr bierdurstige) Benno träumte schon von kommenden Siegerehrungen, als ihm ein Schweinfurter Schlachtenbummler zurief, er solle absteigen und erst einmal eine "Maß" trinken. Tatsächlich stieg der Aufgeforderte ab und genehmigte sich das erquickende Getränk. Er hatte aber alsbald das zweifelhafte Vergnügen, zu sehen, wie seine Verfolger an ihm vorbeisausten. Ob aus Trunkenheit oder aus Verärgerung über den entgangenen Sieg – jedenfalls schrie er seinen Konkurrenten unter dem Gelächter der Umstehenden im echten Schweinfurterisch nach:

"Oh ihr Narrn, fahrt net so schnell!"

Eine neue Ära: Die Ära Schonder

Innerhalb weniger Wochen brachte es Schonder fertig, die Nürnberger Rennfahrer Reinhold Wendel, Hans Heller und Fritz Schellhorn sowie Karl Brunner von Georgensgmünd nach Schweinfurt zu holen. Zusammen mit Ludwig Seufert und Christian Schmidt bildete er so eine Mannschaft, die sich mehr als sehen lassen konnte.

Reinhold Wendel – Ein Vorbild der Jugend

Der Kapitän dieser neuen Mannschaft hieß Reinhold Wendel, ein Sportsmann im wahrsten Sinne des Wortes. Den Radsport nahm er sehr ernst, und aus diesem Grund kamen seine Erfolge wie reife Früchte. Souverän schüttelte Wendel seine Gegner 1934 bei der Fernfahrt Nürnberg-München-Nürnberg über 400 km nach und nach ab. Mit 13 Minuten Vorsprung kam er am Ziel an. Wenige Wochen später gewann er "Rund um Dittelbrunn".

Nach diesem Erfolg entschloss er sich, nach Schweinfurt überzusiedeln. Kaum hatte er seine zweite Heimat gesehen, wurde er schon Sieger der Fernfahrt "Rund um Spessart und Rhön". Er gewann 1935 dieses Mammutrennen (257,7 km in 7 Stunden 35 Minuten) bei strömendem Regen völlig überlegen. Zu seinen größten Erfolgen zählten später unter anderem der "Große Saarland Preis" und "Basel-Kleve".

Doch der Übertritt ins Profilager hinterließ eine schwer zu heilende Wunde. Als wenig später auch Hans Heller die Rollen tauschte, war das Mannschaftsgerippe der "92er" zerstört und der Traum einer Deutschen Meisterschafts-Revanche beendet. Reinhold Wendel, der der Jugend stets ein Vorbild war und den "92ern" zu Aufstieg, Ruhm und Ehre verhalf, bleibt uns unvergessen. Er ist im Zweiten Weltkrieg für unser Vaterland gefallen.

Wiederaufbau und dunkle Zeiten

Zurückgreifend auf die stolze Vergangenheit darf nicht vergessen bleiben, neben der Meisterschaft des Jahres 1934 auch die endgültige Gewinnung des wertvollen Willy-Sachs-Wanderpreises sowie das "Goldene Rad von Wangen" zu erwähnen.

Um den Nachwuchs der Rennfahrer war es nach dem Verlust der großen Könner wie Wendel, Heller, Schellhorn und Brunner vorerst schlecht bestellt – der Wiederaufbau musste von Neuem beginnen. Es war eine schwere Zeit für die Vereinsleitung, denn neben den sportlichen Verlusten schmerzte der Umgang mit der Jugend. Auch der Zweite Weltkrieg riss bedauerlicherweise große Lücken; viele Vereinsmitglieder sind gefallen.

Ehrungen 1934

Inmitten dieser erfolgreichen Ära fand am 15.04.1934 ein Ehrenabend statt, bei dem Georg Kemmeter, Josef Eck und Adam Lutz für ihre Verdienste zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden.